Open Flair 2016

Seit fast einer Woche bin ich zurück und langsam stellt sich die Erschöpfung ein, die die letzte Woche nach sich ziehen musste. Die Rede ist von einer Woche Open Flair. Eine Woche „Arbeit“, Feiern, Trinken, Menschen um mich haben. Eine Woche mit viel Konfetti und noch mehr Glitzer.

Ich dachte „Ach, schreibst du alles im Nachhinein auf. Jetzt sind deine Gedanken zu unordentlich“ Pustekuchen. Meine Gedanken sind immer noch unordentlich. Ich versuch mich zu erinnern was an welchem Tag war, das einzige was ich zuordnen kann sind die Bands und das auch nur weil vor mir die Running Order liegt. Hier also:

Meine unordnetlichen Erinnerungen. 

Donots, Wizo, Das Lumpenpack, ?Shmaltz!, Kobito, Madsen, Großstadtgeflüster, Bosse, Sookee, Moop Mama und Limp Bizkid. Die hab ich gesehen. Sicher hätte ich mir noch mehr ansehen können. Da war noch einiges gutes bei. Aber unabhängig davon, dass ich dann eben doch zwischendurch an der Theke stand oder anders geholfen habe, weiß ich auch gar nicht wo ich noch mehr Energie herholen hätte sollen. Meine Füße haben sich schon am zweiten Tag Also nach dem sie Donots und Wizo überstanden haben – übrigens: Wizo spielen am 11.11. im E-Werk! angefühlt als solle man sie lieber abschrauben und durch neue ersetzen. Beide Konzerte waren großartig, nie war es so leicht bei einem Festival so schnell komplett einzusteigen.

Seebühne hat eh immer was von „Beim Flair ankommen“ weil wir als brave Helferlein ja durch einen anderen Eingang müssen Ja, wie wir diesmal erfahren haben nicht nur dürfen, sondern tatsächlich müssen. Ein schweres Los,… . Ein Eingang übrigens, der direkt neben der Bühne auskommt. Dann kommen die ersten Klänge und man hüpft vor und Donots spielen, die man sich tausendmal anschauen könnte und einfach alles ist gut. Alles ist richtig, alle sind dabei und alles ist schön. Weil man da ist. Weil man beim Flair ist, weil alle lieben Menschen vom letzten Jahr wieder da sind. Manche hat man zwischendurch besucht, andere nicht- aber das ist alles egal. Es ist jedes Jahr als wäre das Jahr dazwischen nie gewesen. Als würde man einfach beim letzten Flair anknüpfen. Nur zwischendurch merkt man, dass Zeit dazwischen liegt. Weil sich in den einzelnen Leben irgendwas getan hat. Für eine Woche, scheint aber auch das egal. Erschöpft von soviel Freude und mit Vorfreude im Bauch fiel ich dann abends dann ins Hochbett der Jugendherberge. Wobei fallen nicht das richtige Wort ist, ehr klettern. Dennn ich hatte mir beim Beziehen eins der oberen ausgesucht. Etwas was ich jeden, wirklich jeden Morgen bereute. Um das herraufklettern Nachts machte ich mir wenig Sorgen. Sogar mit Alkohol im Blut kann man klettern. Aber selbst nüchtern konnte ich noch nie, nie, nie, nie, wieder irgendwo vernünftig runter klettern. Ich hing in den Bäumen fest – genauso wie jeden Morgen auf dem Hochbett. Aber das ist Flair. Und beim Flair darf man sich unbeholfen anstellen, weil man im Zweifel alles auf den Vorabend schieben kann.

Zack da war schon Donnerstag. Donnerstag startet immer das Programm im E-Werk. Ein schönes Programm voller Kleinkunst, Poetry und Bands die man einfach nicht zwangsläufig auf dem Schirm hat. Wie an dem Tag ?Shmaltz!, eine Berliner Band die sehr tanzbare Musik macht und dann spielte einer von denen auch noch auf einer Säge- ich bin leicht zu begeistern. Bevor ?Shmaltz! aber abends spielten, schaute sich der Großteil unserer E-Werk Crew aber das Lumpenpack an. Das, wie sie selbst es formulierten, ein bisschen E-Werk auf die Seebühne brachten. Daran, dass das Lumpenpack auf der Seebühne spielte gibt es viele gute Dinge, zwei davon fallen mir spontan ein. Erstens: Wir mussten das ganze Konfetti nicht selbst wegfegen. Zweitens: Nichts, vermutlich nichts ist schöner als zu sehen wie so unfassbar viele Menschen diese Jungs abfeiern, die’s einfach echt, total und unwiderlegbar verdient haben! Wer sie also noch nicht kennt sollte das nachholen, am besten Live! Abends dann also noch ?Schmaltz! und Kobito im E-Werk und ständiges Begrüßen und Freuen weil immer mehr Menschen auftauchen die man kennt, dann in den Backstage chillen, Wein trinken und ganz viel quatschen und Quatsch machen.Massiert werden und zwar dank einer Helferin richtig krass mit Liege und so! , Weingummi Verkostung, noch mehr umgefüllter Wein,Lachen und wenn man nicht früh genug schlafen ging awkward Diskussionen mit Menschen die man nicht kennt, die niemand kennt, die einfach auftauchen, sich einmischen und die man irgendwie nicht mehr so richtig los wurd, außer man ging schlafen, führen. Aber auch das gehört zu einem Festival eben dazu.

Schon war Freitag und es passierte soviel, dass man jetzt schon das Gefühl hatte schon ne Woche da zu sein. Die beidengroßen Bühnen werden aufgemacht und plötzlich laufen Menschen über den Platz dem man zwei Tage lang beim Aufbauen zugeschaut hat. Aufbauszenarien sind bei Festivals immer mit das Schönste. Es begann mit einer völlig überbesetzten Thekenschicht, weil wir später alle zusammen Madsen sehen wollten. Was wir dann auch eingeglitzert und mit krassen geflochtenen Zöpfen taten. Madsen war, abgesehen davon dass sie live wirklich so unfassbar viel besser als auf Platte sind, das erste Konzert, dass ich vor zwei Jahren mit dieser wundervollen Gruppe Menschen bei meinem ersten Open Flair als erstes sah. Es hatte also einengewissen Nostalgieeffekt. Direkt danach ging des rüber zu Großstadtgeflüster, die mich wirklich unsagbar überrascht haben. Die einen Song spielten der nicht bei ihnen, sondern auch bei mir von Herzen kam. „Fickt euch Allee“ schallte es über den Platz und dann gings zurück zur Theke, damit die anderen Sum41 gucken konnten. Dass wir Abends eigentlich noch zur Seebühne wollten, ging in erneuten Gesprächen und in Bier und Weinbechern im Backstage dann doch wieder irgendwie unter.

Zack da war  schon Samstag und man registrierte: das ist schon der vorletzte Tag. Plötzlich gings irgendwie schnell und man begann festzustellen, dass man ein paar Tage mehr schön fände, aber vermutlich nicht durchhalten würde. Für mich war Samstag Herzblut Tag. Im positivsten Sinne. Erst gings zu Bosse, dann zurück ins E-Werk zu Sookee. Wann ich an dem Tag Schicht hatte ist völlig verschwommen. Vermutlich Mittags irgendwann. Es gibt verschiedene Arten von Acts die wirklich jedes Jahr dabei sind. Gruppennostalgie, wie bei Madsen, ist eine davon. Eine andere ist Bosse gewesen. Wie zwei Jahre davo Casper, war es dieses mal Bosse der mich für einen Moment herausgerissen hat aus dem Festival. Mich an Menschen zuhause hat denken lassen und es geschafft hat, dass da doch mal wieder seit langem sowas wir Tränen in meine Augen stiegen. Zu meiner Verteidigung sei gesagt: Die das sind aber auch schrecklich schnulzige Texte! Schön aber schnulzig! Aber ein Konzert auf dem man tanzt während man weinen könnte ist nicht das schlechteste und Lieder mit guten und wahren wenn auch zu meist sehr emotionalen Texten zu performen als wären es die absoluten Tanzhits, das muss man erstmal können als Band! Das schönste aber war, dass gerade als ich wirklich zu weinen begann, ein Kind von der Security hochgehoben wurde und einen halben Liter Wasser aus einerWasserflasche direkt in meine Richtung und voll in meinem Gesicht platzierte. Das und das fliegende Konfetti an dem ich mich kurz danach verschluckt habe waren der Beweis: auf diesem Festival kann man nicht traurig sein. Als ich zurück beim E-werk war machte Sookee bereits Soundcheck und ein Testbier später gings auch schon los. Über dieses Konzert kann ich absolut nichts sagen, weil es dafür keine Wörter gibt. Das live zu sehen was ich das letzte Jahr gefühlt in Dauerschleife gehört habe. Das war toll, darauf hab ich mich gefreut, seit ich wusste, dass sie kommt. DAS war mein ganz eigenes, absolutes Festival Highlight! Der Samstagabend hat an diese zwei Highlights angeschlossen. Keine Ahnung was da eigentlich alles wann war. Hier die Kurzfassung: Meute mit der Meute auf der Becksstage, Campingplatz, „Menschenkennenlernen“, zurück zum E-Werk, ganze Crew, Freibier/ Freiwein, plötzlich knutschen sehr viele Menschen, Menschen die ständig Oberkörperfrei Handstand machen  und „Hat der nicht gemacht!“,Menschen spielen Strip-Kicker und springen Nachts nackt in den Pool,… Genauere Erzählungen wären an dieser Stelle irrelevant, versteht eh nur wer dabei war. Vielleicht sind manche dieser Dinge auch an anderen Tagen passiert, meine Erinnerungen sind hier verschwommen. Nicht nur vom Wein, sondern auch von der Masse an Eindrücken.

Da war auch schon Sonntag und Morgens im Zimmer begannen nach und nach alle sich zu fragen „Sag mal, erinnere ich mich richtig?“ Ein angenehmes Klima während ich mich nun erstrecht nicht traute aus dem Hochbett zu klettern. Der letzte Tag war  angebrochen und langsam begann hier und da die Wehmutsstimmung. Sicher, für noch mehr Festivaltage hätten wir alle keine Energie mehr gehabt, spätestens nach dem Vorabend, aber vielleicht für so ein Paar gemeinsame Wellnesstage. „Hauptsache die Wege trennen sich nicht sofort wieder.“ „Hauptsache noch ein paar Tage mehr zusammen sein.“ Aber natürlich ging das nicht. Haus- und Bachlor- und andere Arbeiten wollten geschrieben und verrichtet werden. Es wurd also noch gemeinsam Moop Mama geschaut. Noch so eine Actart – die von denen man enttäuscht ist, weil sie zwar geile Musik – auf der Bühne aber mehr Show als Party mit dem Publikum machen. Dann ging‘s an die letzte Schicht, während dessen ans Aufräumen und dann machte das E-werk nach, der Abschlussshow,dicht. An der Theke hörte man die Review der Festivalleitung und Securitys und sah Fotos der vergangenen Tage auf dem Bildschirm im Foyer. Ausgerüstet mit Bier aus dem Fass, das ja noch leer werden musste, gings dann rüber zu Limp Bizkid. Während wir auf die anderen Menschen und auf den Beginn von Limp Bizkid warteten, verstand man dann kurz, dass das jetzt das letzte Konzert des Festivals sein würde. Während des Konzerts war man dann aber doch wieder abgelenkt. Abgelenkt von Liedern die man mit 13 hörte, von den unmotivierten Menschen vor einem die sich keinen Zentimeter bewegten und davon dass der eigenen Körper sich doch tatsächlich noch irgendwie bewegen lies. Dann war es- und zwar wirklich sehr sehr plötzlich vorbei. Wie nach einem Film mit einem zu krassen Ende standen wir da uns fragt uns: „Echt jetzt?“. Als würde einem klassischen Liebesschnulzfilm die letzten 10 Minuten und somit die Wendung zum Happy End hin fehlen, fehlte hier einfach die Zugabe. Ja sogar die Chance nach einer Zugabe zu rufen, denn die Bühnen Musik ging an, noch bevor irgendwer irgendwie verstand, dass das eben das letzte Lied gewesen sein sollte. Einer von uns beschrieb es sehr treffend: Wie nach Sex ohne Orgasmusstand man da. Verdattert liefen wir dann zum Backstage der großen Bühne, wurden von unseren Chefs reingeholt und futterten, tranken, quatschten, kickerten und saßen einfach nur erschöpft am Feuer bis sich einer nach dem anderen eingestand, dass das Festival vorbei war und schlafen ging.

Montag. Aufstehen – packen – im E-werk aufräumen. Alles wieder zurück zaubern, in den Zustand wie es vor dem Festivalzauber war. Allen nach und nach Tschüss sagen. Warten bis der Zug oder das Auto fährt. Sich mit „bis nächstes Jahr“ oder mit dem Versprechen sich zu besuchen verabschieden. Die Mischung aus „Es noch herauszögern – und endlich zuhause ins eigene Bett fallen wollen“. Bis man dann irgendwann doch im Auto und im Stau festsitzt. Willkommen zurück in der Welt außerhalb vom Open Flair.

Was bleibt? Schöne Erinnerungen, Schlafdefizite, neue Tage an denen man nächstes Jahr einfach wieder anknüpfen kann. Ein bisschen Freude aufs eigene Bett und die starke Sehnsucht nach Ruhe und Menschenlosigkeit, ein bisschen Konfetti in den Taschen und ziemlich viel Glitzer überall. Soviel Glitzer, dass man es bis nachhause, bis ins Bett trägt. So, dass das Open Flair nicht nur auch immer ein bisschen Zuhause- sondern ein bisschen Open Flair auch Zuhause ist.

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