Kommunikation – alles nur ein Spiel?

Ist Kommunikation bloß ein Spiel? Wenn ja, ist es eins der Sorte bei dem man die Regeln kennen muss um es zu spielen? Ist man seinem gegenüber überlegen wenn man die Tricks kennt? Was wenn beide die Tricks kennen? Ist es vielleicht viel besser nichts darüber zu wissen und wie früher beim Lego spielen, seine ganz eigene Regeln zu erschaffen?

Aber dann verstehen wir einander ja nicht mehr. Sprache ist bloß konstruiert und alles könnte anders sein und anders heißen. Menschen aber denken in Strukturen und suchen diese und entwickeln welche wo keine sind. Wir erschaffen Regeln, damit wir alle den selben Struckturen folgen. So entstand die Sprache und damit die Kommunikation. Dann haben Menschen gemerkt, dass Kommunikation nicht nur mit Sprechen sondern auch mit nicht sprechen zu tun hat. „Man kann nicht nicht kommunizieren!“ hat Watzlawick mal gesagt. Schlauer Mensch. Es gab noch einige andere schlaue Menschen die allerlei sagten. Ich musste das alles lernen. Klausuren drüber schreiben, es erklären und anwenden.

Doch wie viel bringt es gelernt zu haben mit Menschen „richtig“ zu kommunizieren? Gelernt zu haben Unterschiede und Konflikte auszuhalten und sich selbst zu reflektieren? Wie viel bringt einem Pädagogik im Privatleben. Päda LK, Jugendleiter Schein, Erzieherausbildung, Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen seit 6 Jahren. Überall ging es um die richtige Art der Kommunikation. Um Kommunikationsmodelle. Aber was lernt man wirklich von ihnen? Wenn man sie kann, kann man dann wirklich besser kommunizieren? Neigt man nicht vielleicht ein bisschen sehr dazu von anderen zu erwarten sie ebenfalls zu beherrschen? Wendet man sie wirklich an, auch wenn man sauer oder verletzt ist?

Ich muss gestehen, dass ich selten im Streit da stehe und auf einem Collegeblock Appell, Beziehungsebene, Selbstoffenbarung und Sachinformationen voneinander differenziere. (Schulz von Thun) Auch fällt es mir sehr schwer Ich-Botschaften zu senden, wenn jemandem sagen will dass er scheiße ist. (Gordon) Es gestaltet sich erstaunlich schwer zu streiten oder Konflikte auszudiskutieren, wenn man sich unbewusst Modellen bedient und gezielt ruhig und verständnisvoll auf die das Gegenüber reagiert, weil man mit einer Eigenschaft des Gegenübers ja nur aufgrund eigener Präferenzen ein Problem hat. Man weiß es ja besser, also warum es zum Vorwurf machen? Das Problem daran ist: das Problem bleibt. Durch Gewaltfreie Kommunikation fühlt man sich leicht provoziert, wenn man einmal durchschaut hat, dass geäußerte Wünsche nichts anderes heißen als das man die bisherige Verhaltensweise kritisiert und verändert haben möchte. (Rosenberg) Mir fehlt es in der Landschaft der Kommunikationsmodelle an einem das davon ausgeht, dass nicht Misskommunikation das Problem ist, sondern fehlendes Verständnis für die Fehler und unterschiedlichen Vorstellungen voneinander.

Natürlich stimmt es, dass unsere Sprache nur eine Verschlüsselung für das ist was wir wirklich meinen. Das Problem aber ist, wenn wir das weiter spinnen, sind wir an einem Punkt an dem wir einander nichts mehr glauben können. Wenn wir nicht mehr beieinander unterscheiden können, wann verschlüsselt dieser Mensch und wann nicht: dann sind wir mehr damit beschäftigt die Äußerungen zu interpretieren und alles hinterfragen zu müssen, als wir wirklich Zeit miteinander verbringen. Ist es also wirklich gut sich über all diese kleinen Alltagstricks der Menschlichen Psyche bewusst zu sein? Bringt einen Selbstreflexion wirklich weiter? Ist es zum Beispiel gut Körpersprache zu beherrschen? Spontan würde man sagen: Klar. Denn wenn man eine Sprache beherrscht, versteht man sie und kann sie auch selbst sprechen und bewusst einsetzen. Genau hier sehe ich das Problem. Wenn man Körpersprache bewusst einsetzt, die eigentlich unterbewusste Mitteilungen machen soll kann man sich nicht mehr auf ihre Echtheit verlassen. Wenn man sich nicht mehr auf die non-verbale Kommunikation verlassen kann, ist man wieder mehr auf die verbale angewiesen obwohl diese den meisten Menschen nicht gerade einfacher fällt.

Wir stellen also fest: Pädagogik im Privatleben bringt einem garnichts. Im Gegenteil, man muss sie sich sogar abtrainieren. Pädagogik im Privatleben ist Unsinn! 

Es gibt so viele Geschicklichkeitsspiele und Rätselaufgaben mit denen man sich beschäftigen kann, dabei ist das größte immer der Mensch der einem gerade gegenüber sitzt oder noch ein viel größeres: der Mensch der einem schreibt. Denn hier fällt die nonverbale Kommunikation komplett weg. Sogar die Betonung, die noch das unbewussteste von allem ist und zumindest etwas für die Stimmungslage aussagen kann. So sitzen wir vor den Handys denken über alles was wir schreiben und lesen länger nach, als wir fürs schreiben uns lesen brauchen, weil wir uns nicht mehr vertrauen, dass auch das wirklich gemeint ist. Nicht weil wir einander nicht vertrauen, sondern weil uns zu bewusst ist, weil Kommunikation funktioniert und weil uns nicht klar ist, dass sie genau dadurch nicht mehr funktioniert. Die wenigstens Kommunikationsmodelle sind anwendbar oder erfolgreich, wenn sich beide über diese Modelle bewusst sind. Das ist wie beim Mühle spielen. Weiß man einmal wie man eine Zwickmühle baut ist der Sieg keine Frage des Spiels oder der Kognitiven Fähigkeiten der Spieler*innen mehr, sondern nur noch abhängig davon wer anfängt.

Ich würde nicht sagen, dass die Gespräche die mich überrumpeln und in denen ich irrational werde die effektivsten, die nettesten oder angenehmsten Gespräche sind. Aber es sind vermutlich die ehrlichsten. Auch dass ich in ihnen schnell unfair werde und anderen Gleichgültigkeit unterstelle sagt mehr über mich aus als alle stundenlangen Gespräche in denen ich ruhig und bewusst sachlich Probleme schnell aufdecken und Lösungen finden kann. Vermutlich ist es eine Art Pädagog*innen-Krankheit. Wenn man einmal gelernt und verinnerlicht hat wie stark man Gespräche, zwischenmenschliche Beziehungen durch bewusstes Verhalten beeinflussen kann, ist es sehr schwer dies wieder abzulenken. Damit ist nicht gemeint, dass Pädagog*innen Grundsätzlich ihre Beziehungen manipulieren. Im Gegenteil, das umsetzen von Arbeitstechniken (und nichts anderen sind Kommunikationsmodelle, Konfliktlösungen ect. für pädagogisch arbeitende Menschen) geschieht unglaublich unterbewusst und hat keineswegs grundsätzlich einen positiven Effekt auf die Beziehung. Gemäß dem Sinne „Zaubertricks funktionieren nur wenn man sie nicht kennt“ kehren sie sich in das Gegenteil um und das Gegenüber, dass die Tricks durchschaut fühlt sich verarscht.

Das ist als würde man ein Kanninchen aus einem durchsichtigen Zylinder zaubern.

Manchmal merkt das Gegenüber es auch nicht, doch auch dann entsteht eine ungesunde Ebene. Denn der Mensch zu dem man eigentlich über Sympathie verbunden sein sollte, bekommt plötzlich die Position die eigentlich von Kindern und Jugendlichen oder anderen Schutzbefohlen eingenommen wird. Die einzige Ebene auf der eine bewusste und gute Kommunikationskultur wirklich effektiv ist, ist die Arbeitsebene. Warum? Weil es hier keine emotionale Basis gibt die man dadurch zerstören kann und Kommunikationsmodelle gezielt dazu verwenden können, emotionales keine Sachlichen Gespräche zu zerstören. Doch Freundschaften und Beziehungen sind keine Geschäftsverhältnisse. Zwischenmenschliche Beziehungen sind keine Gruppenprozesse in denen jeder eine bestimmte Rolle einnimmt, wie in einer Arbeitsgruppe, in der die Situation statisch ist. Vielmehr sind zwischenmenschliche Beziehungen das unstatischste überhaupt, weil jede*r sich jeden Tag neuen Einflüssen und Lebenssituationen ausgesetzt fühlt und diese mit in die Beziehung bringt und der oder die andere auch und wenn es dann auch noch um einen Freundeskreis geht.- uiuiuiui.

Wobei. Ist es mit mehreren wirklich schwerer als zu zweit? Schließlich gibt es auch mehr Möglichkeiten, dass die beteiligten sich gegenseitig austauschen. Bei zwei Menschen jedoch, bei dem die eine Person sich (wenn auch nur zwischenzeitlich) anders verhält, als das Team eingespielt ist, muss die andere Person darauf entweder reagieren, damit die Teamdynamik weiter funktionieren oder es kommt zu Spannungen. Wie zwei Magneten, die sich eigentlich angezogen haben, doch dann wird der eine plötzlich umgepolt und sie stoßen sich ab. Sind wir in schwierigen Lebensphasen also einfach falsch gepolt? Kann man sich umpolen? Gibt es eine Umpolstation? Können wir uns alle nicht so umpolen, dass es immer miteinander funktionieren anstatt uns ständig abzustoßen und einander in die Enge zu treiben, bis der oder die in die Ecke getriebene sich aus dieser Freikämpft?

Wir können unsere Kommunikation zwar Optimieren. Aber am Ende ist es nicht wichtig wie wir miteinander reden, ob wir uns anschreien oder vertragen. Ob wir irrational oder rational miteinander reden. Wichtig ist, dass wir miteinander reden. Das wir nicht vergessen, dass wir Menschen und nicht programmierbare Maschinen sind. Selbst wenn wir Wünsche äußern, kann das gegenüber sie nicht sofort erfüllen, weil es mehr braucht Gewohnheiten abzulegen und weil es immer noch eigene Menschen mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen sind. Vielleicht ist ein lauter Knall zwischen Menschen manchmal effektiver als ein dauerhaftes Piepen, das zwar nervt, aber an das man sich irgendwie gewohnt hat, das man erträgt weil es einem ja bewusst ist und was einem Bewusst ist, kann ja kein Problem sein, oder?

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